Landesverkehrswacht Baden-Württemberg e.V.
Quelle: DVW

Schnell kann alles vorbei sein! Das Zielgruppenprogramm “Aktion junge Fahrer”, kurz AjF, vermittelt Jugendlichen und jungen Erwachsenen in spannender Weise ernste Inhalte. Dazu bedienen sich die Verkehrswachten zum Teil spektakulärer Mittel und der Methode des erlebnisorientierten Lernens.

Der Abwurf eines Pkw aus 10 Meter Höhe simuliert einen Aufprall mit 50 km/h auf ein stehendes Hindernis. Auf dem Gurtschlitten spüren die Teilnehmer, mit welcher Wucht ihr Körper bei einem Zusammenstoß in den Sicherheitsgurt geschleudert und von im festgehalten wird. Das kann angesichts der Tatsache, dass viele Anfänger „Gurtmuffel" sind und mit der Anschnallpflicht leger umgehen, für manchen eine lebensrettende Erfahrung sein.

In Fahrsimulatoren erleben die jungen Fahrer, wie rasch sie eigenes Können überschätzen und falsch oder zu spät reagieren. Am Überschlagsimulator lernen sie unter der Anleitung von Verkehrswacht-Mitarbeitern Handgriffe, um sich aus einem Fahrzeug, das auf dem Dach liegt, zu befreien.

„Rauschbrillen“ simulieren eine Wahrnehmung, wie sie durch eine bestimmte Blutalkoholkonzentration hervorgerufen wird. So erleben Jugendliche und junge Erwachsene auf anschauliche Weise, wie Alkohol die Fahrtüchtigkeit einschränkt und aufhebt.

Aktionstage mit AjF

Die Aktionstage „Aktion junge Fahrer“ werden von den örtlichen Verkehrswachten auf das Freizeitverhalten von jungen Erwachsenen und auf die Beschaffenheit der Verkehrsinfrastruktur abgestimmt.

Daher gibt es in einer Gemeinde Aktionstage auf dem Marktplatz, in einer anderen eine Disko-Veranstaltung und in einer dritten einen Sicherheitstag gemeinsam mit Partnern. Disko-Veranstaltungen sind insbesondere in ländlichen Räumen beliebt, in denen die Disko-Besucher auf ein Auto angewiesen sind, um wieder nach Hause zu kommen. Die Veranstaltungen werden von den Verkehrswachten gemeinsam mit den Diskothekenbetreibern durchgeführt. Das normale Musikprogramm der Diskothek wird immer wieder von Ansagen des DJs unterbrochen, in denen diese auf die Unfallgefahr beim Fahren mit Alkohol und Drogen hinweisen. Ein Informationsstand der Verkehrswacht und Gespräche von Verkehrswacht- Mitarbeitern mit den Disko-Besuchern auf dem Parkplatz runden das Programm ab.

Begleitetes Fahren ab 17

Auch andere Maßnahmen können die Verkehrssicherheit junger Fahrer verbessern und ihr Unfallrisiko zu senken. Eine Erfolgsstory ist das „Begleitete Fahren ab 17“ (BF 17). Bereits 2004 in Niedersachsen eingeführt – damals im Alleingang und gegen viele Widerstände durchgesetzt –, haben sich mittlerweile alle Bundesländer angeschlossen, um ihren Jugendlichen ab 17 das begleitete Fahren zu ermöglichen. Auf der Internetseite www.bf17.de finden sich alle wichtigen Infos zum Thema Begleitetes Fahren ab 17.

Ausgehend von der Landesverkehrswacht Niedersachsen, die von Anfang an „ohne Wenn und Aber“ zu dem Projekt stand, wurde ein flächendeckendes Netz der sinnvollen Vorbereitungsveranstaltungen aufgebaut. Es wurde ein großer Stein ins Rollen gebracht: Im Sommer 2007 hatten bundesweit ca. 230.000 Fahranfänger von BF 17 Gebrauch gemacht. Im Jahr 2006 nahm bundesweit jeder 6. Fahranfänger am BF 17 teil, in Niedersachsen sogar fast jeder Dritte.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee zog am 12. Juli 2007 Bilanz: Die jugendlichen Teilnehmer an BF 17 verursachten rund 30 Prozent weniger Unfälle und begingen 20 Prozent weniger Verkehrsverstöße als andere Führerscheinabsolventen. Zudem gab es unter ihnen nur halb so viele Fahrten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Das BF 17 ist damit die erfolgreichste Maßnahme zur Reduzierung des Unfallrisikos junger Fahrer, die es in der Bundesrepublik je gab.

Quelle: DVW

Unfälle junger Fahrer

Die am meisten gefährdeten und zugleich gefährlichsten Verkehrsteilnehmer sind männlich junge Fahrer zwischen 18 und 25 Jahren. Gerade bei der nächtlichen Heimfahrt auf der Landstraße, zum Beispiel nach einem Diskobesuch oder einer Party mit Freunden in der Nachbargemeinde, lauern die Gefahren.

Mit Alkohol oder Drogen im Blut und in aufgereizter Stimmung vermindert sich die Fähigkeit, Geschwindigkeiten und Situationen realistisch einschätzen zu können. Besonders gefährdet sind hier auch die Beifahrer, zumeist junge Frauen, die bei Unfallfahrten häufig ums Leben kommen. Rund 14 Prozent aller Verkehrstoten waren im Alter von 18- bis 24 Jahren, der Altersgruppe mit den meisten Fahranfängern.