Landesverkehrswacht Baden-Württemberg e.V.

Ernstfall Unfall – wie verhalten?

Stuttgart, 25. August 2017: Ob Reise- oder Berufsverkehr: Wenn viele Fahrzeuge unterwegs sind, steigt die Unfallgefahr und die Unfallzahl. Am Unfallort reagieren viele Verkehrsteilnehmer falsch – dabei gibt es klare Regeln für das Verhalten nach einem Unfall.

Beteiligte bleiben vor Ort

Paragraf 34 der Straßenverkehrsordnung (StVO) schreibt unter anderem vor, dass nach einem Unfall die Beteiligten sofort anhalten und den Verkehr sichern müssen. Für Autofahrer heißt das: Warnblinker anschalten, Warnweste anziehen und Warndreieck aufstellen. Am besten trägt man das Warndreieck auf Brusthöhe vor sich her und stellt es innerorts 50 Meter, auf Landstraßen 100 Meter und auf Autobahnen 150 Meter von der Unfallstelle entfernt auf.


Bei geringem Schaden müssen die Beteiligten ihre Fahrzeuge beiseite fahren und sich über die Unfallfolgen ein Bild machen. Gibt es Verletzte, müssen die Rettungskräfte gerufen werden; die europaweit gültige Notrufnummer ist 112. Als Angaben sind wichtig, was passiert ist, wo es passiert ist, wie viele Beteiligte und welche Verletzungen es gibt. Nach dem Anruf beginnt unverzüglich die Erstversorgung der Verletzten.
Unfallbeteiligte, die sich vom Unfallort entfernen, begehen Fahrerflucht. Das gilt übrigens auch, wenn es nur zu einem "Blechschaden" gekommen ist. Fahrerflucht ist eine Straftat und wird entsprechend strafrechtlich geahndet.

Hartfrid Wolff, Präsident der LVW: "Fahrerflucht ist moralisch nicht vertretbar. Wer in einen Unfall verwickelt und nicht hilfebedürftig ist, muss verantwortungsvoll handeln und Verletzten helfen. Da gibt es nichts zu deuteln."

Unbeteiligte bleiben ruhig

Ein Unfall ist oft die Ursache dafür, dass sich ein Stau bildet. Autofahrer, die zu einem Termin fahren, neigen dazu, ihre Gelassenheit zu verlieren. Dennoch ist es wichtig, die Ruhe zu bewahren und auch als Nicht-Betroffener Verhaltensregeln einzuhalten, die auf Verkehrssicherheit ausgerichtet sind. Bei Staubildung heißt dies, die Geschwindigkeit anzupassen und mit eingeschaltetem Warnblinklicht vorsichtig an das Stauende heranzufahren.
Dabei sind alle Autofahrer gehalten, eine Rettungsgasse zu bilden, um eintreffenden Rettungskräften und der Polizei den Zugang zur Unfallstelle zu gewähren. Wer sich auf dem linken Fahrstreifen befindet, fährt an den linken Fahrbahnrand. Alle anderen Fahrzeuge auf den übrigen Fahrstreifen, egal wie viele es sind, orientieren sich am rechten Fahrbahnrand und fahren nach rechts. Die Rettungsgasse bildet sich somit immer zwischen dem linken und dem daneben liegenden rechten Fahrstreifen.
Auf Autobahnen ist der Standstreifen freizuhalten, damit zum Beispiel Pannendienste die Unfallstelle schnell räumen können. Wichtig ist ferner, im Fahrzeug sitzen zu bleiben, sodass keine zusätzliche Gefährdung entsteht.

Helfen statt gaffen

Nicht selten behindern Schaulustige die Rettungsfahrzeuge bei der Durchfahrt zur Unfallstelle oder versagen Verletzten die notwendige Erste Hilfe. Manche zücken sogar ihr Handy, um ein Foto von den Unfallopfern zu schießen. Während das Gaffen lange als Ordnungswidrigkeit eingestuft und mit einem Bußgeld geahndet wurde, ist es seit Frühsommer 2017 eine Straftat. Das bedeutet, dass jemand, der etwa durch Gaffen an einer Unfallstelle oder Blockieren der Rettungsgasse auf der Autobahn die Versorgung von Verunglückten erschwert, mit bis zu einem Jahr Haft bestraft werden kann.
Auch das Fotografieren oder Filmen von Verletzten ist ebenso wie unterlassene Hilfeleistung eine Straftat. Beim Fotografieren ist es unerheblich, ob die Fotos veröffentlicht werden. Es zählt allein das Fotografieren selbst, weil das Bildmaterial die "Hilflosigkeit anderer Menschen zur Schau stellt" (§ 201a StGB). Die Polizei kann in einem solchen Fall das Handy eines Gaffers direkt einziehen.

Wolff: "Fotografieren statt helfen geht gar nicht. Dass jemand nicht hilft, ist geschmacklos und schlimm genug. Es ist gut, dass Gaffern auch von Gesetzesseite her eine klare Ansage gemacht wird."